Als ich vor ein paar Sommern meine erste DIY‑Open‑Air‑Party im Hinterhof organisiert habe, fühlte sich das alles gleichzeitig aufregend und überwältigend an: von der Idee bis zum letzten Song lagen viele kleine Entscheidungen und Gespräche. Heute teile ich meine Erfahrungen, Checklisten und praktische Tipps, damit du dein eigenes Open‑Air im Hinterhof planen kannst — ohne dass du gleich Profi‑Eventmanager sein musst.

Erste Überlegungen: Idee, Gästezahl und Atmosphäre

Bevor ich mich um Genehmigungen oder Technik gekümmert habe, habe ich mir drei Fragen gestellt: Was für eine Stimmung will ich? Wie viele Gäste kommen? Wie lange soll die Party dauern? Antworten darauf bestimmen fast alles andere — von der Lautstärke bis zur benötigten Toilettenanzahl.

  • Intime Wohnzimmer‑Atmosphäre: 30–50 Personen, akustische Sets oder DJ mit leiseren Pegeln.
  • Nachbarschaftsfest: 50–150 Personen, Live‑Bands, Bühnenbereich und stärkere Infrastruktur.
  • Größere Mini‑Festival‑Vibes: 150+ Personen — das braucht deutlich mehr Planung, Absperrungen und oft professionelle Unterstützung.

Genehmigungen: Was brauchst du wirklich?

Die Frage nach Genehmigungen hängt stark von Ort, Größe und Uhrzeit ab. Ich habe mit dem zuständigen Ordnungsamt meiner Stadt telefoniert, um Klarheit zu bekommen — das hilft oft schneller als reine Online‑Recherche.

Wichtige Punkte, die du abklären solltest:

  • Versammlungsrecht und Sondernutzung: Ist dein Hinterhof öffentlich zugänglich oder privates Gelände? Öffentliche Flächen benötigen meist eine Sondernutzungserlaubnis.
  • Lärmschutz: Ab einer gewissen Lautstärke oder bei längeren Veranstaltungen wird oft eine Lärmkonzept‑Abgabe verlangt.
  • Gewerbliche Tätigkeit: Verkauf von Getränken oder Eintritt kann eine temporäre Gaststättenerlaubnis oder Gewerbeanmeldung erfordern.
  • Feuer und Sicherheit: Bei Bühnen, Pyrotechnik oder offenen Feuerstellen sind Brandschutzauflagen relevant.
AspektErforderlich
Sondernutzung öffentlicher FlächenJa/Abklärung mit Amt
Lärmschutz‑KonzeptAb bestimmter Größe/Uhrzeit
Verkauf (Getränke/Essen)Gewerbe/Gaststätte ggf. erforderlich
BrandschutzBei Bühne/Grill/Feuer

Nachbarn einbinden statt überraschen

Mein wichtigster Rat: Sprich die Nachbarn frühzeitig an. Ein kurzer Flyer im Briefkasten mit Datum, Uhrzeit und meiner Handynummer hat bei mir Wunder gewirkt. Ich habe außerdem angeboten, dass besonders betroffene Fenster mit Ohrstöpseln versorgt werden — ein kleiner, persönlicher Touch, der Konflikte verhindert.

  • Persönliches Gespräch statt Zettel, wenn möglich.
  • Angebot, späte Musik leiser zu stellen oder auf akustische Sets umzuschwenken.
  • Notfallkontakt bereitstellen (z. B. deine Nummer), damit jemand bei Problemen sofort reagieren kann.

Soundcheck, Technik und Nachhall im Hinterhof

Sound ist das Herz einer Party. In einem Hinterhof kommen die Schallreflexionen oft unerwartet — Hauswände können den Sound blockieren oder unangenehm verstärken.

Meine Erfahrung mit Technik:

  • Verstärker und PA: Für 50–150 Leute reicht oft ein kompaktes PA‑System (z. B. QSC K12 oder JBL EON). Für größere Events miete ich professionelle Anlagen.
  • Mikrofone: Kabellose Mikrofone für Moderation, mindestens ein gutes Gesangsmikrofon (Shure SM58).
  • Stromversorgung: Prüfe die vorhandenen Stromkreise. Verlängerungskabel sollten für Außenbereich und abgesichert sein (FI‑Schutzschalter).
  • Soundcheck: Ich plane immer 60–90 Minuten vor Einlass für den Soundcheck ein. Teste Lautstärke aus verschiedenen Punkten des Hofs.

Tipp: Leise Zeiten einplanen und einen Speaker Monitor so ausrichten, dass Nachbarhäuser nicht direkt beschallt werden. Ein decibel‑Meter (Smartphone‑Apps sind okay für grobe Werte) hilft, die erlaubten Grenzwerte einzuhalten.

Wetterplan: Schlechtwetteroptionen und Plan B

Wetter kann alles verändern. In Chemnitz habe ich gelernt, immer einen Plan B zu haben.

  • Überdachung: Faltzelte (3x6 m) oder gemietete Pagoden schützen Bühne/Equipment.
  • Indoor‑Ausweichräume: Gibt es benachbarte Hofräume, Garagen oder einen Gemeinschaftsraum, den du kurzfristig nutzen kannst?
  • Kommunikation: Lege im Vorfeld fest, wie du Gäste bei Wetteränderungen informierst — z. B. über Facebook‑Event, Instagram‑Story oder Aushang am Eingang.
  • Equipment‑Sicherung: Elektronik in wasserdichten Cases lagern; Kabelkanäle gegen Stolperfallen nutzen.

Logistik: Toiletten, Müll und Essensstände

Selbst bei kleinen Events zahlt sich gute Logistik aus. Ich buche in der Regel Toiletten (Mobiltoiletten) ab 100 Gästen, stelle sichtbare Müllstationen auf und arbeite gern mit lokalen Caterern zusammen — z. B. Street‑Food‑Anbieter aus Chemnitz, die flexibel sind.

  • Toiletten: 1 WC pro 75 Gäste als Richtwert.
  • Müll: Mindestens drei getrennte Stationen (Restmüll, Papier/Plastik, Glas) und Müllsäcke bereitstellen.
  • Essensstände: Vereinbare Abbauzeiten und Müllentsorgung mit den Betreibern.

Budget und Finanzierung

Auch eine DIY‑Party kostet Geld. Meine Aufstellung für ein kleines Hinterhof‑Event (ca. 80–120 Personen):

  • PA‑Miete: 200–600 €
  • Toiletten: 60–150 €
  • Genehmigungen/Versicherung: 0–300 € (je nach Größe)
  • Catering/Künstlergagen: variabel
  • Sonstiges (Deko, Beleuchtung, Strom): 100–300 €

Ich sammele oft einen kleinen Eintritt (z. B. 5–10 €) oder führe einen Getränkeverkauf zur Kostendeckung durch. Crowdfunding oder Sponsorings von kleinen lokalen Läden funktionieren auch gut — lokale Brauereien oder Getränke‑Marken wie Becks oder Fritz‑Kola unterstützen manchmal Community‑Events.

Sicherheit und Versicherung

Unfälle können passieren. Eine Veranstalterhaftpflicht (Tagestarife oder Kurzzeitpolicen) ist in vielen Fällen sinnvoll. Außerdem setze ich auf klare Regeln für Trinkverhalten, sichere Stromanschlüsse und ausgebildetes Personal bei größeren Veranstaltungen.

  • Veranstalterhaftpflicht prüfen.
  • Erste‑Hilfe‑Kasten und einen Ansprechpartner benennen.
  • Fluchtwege freihalten und sichtbar kennzeichnen.

Kommunikation: Gäste gewinnen und informieren

Für meine Events nutze ich eine Mischung aus Social Media (Instagram, Facebook), lokalen Aushängen und Newsletter‑Hinweisen. Ein gut gepflegtes Event‑Posting mit klaren Informationen zu Uhrzeit, Adresse, Anreise, Einlass und Wetterplan reduziert Nachfragen und Missverständnisse.

Und noch ein persönlicher Tipp: Ermutige Gäste, mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu kommen — das reduziert Parkstress und ist nachhaltiger.